ingehannemann

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Die Angst vor dem Zahnarzt

Zahnarztphobie / wenn die Angst Überhand nimmt

Wer kennt sie nicht? Die Angst vor dem Zahnarzt, vor dem Bohren und vor den Spritzen. Nimmt die Angst jedoch Überhand, so wird von einer Zahnarztphobie gesprochen.

Der Termin beim Zahnarzt steht. Es gibt keinen Grund der dagegen spricht, diesen Termin nicht wahrzunehmen. Keine Erkältung, kein Magen-Darm-Problem, keine kranken Kinder oder kein wichtiger Geschäftstermin stehen an.

Heute noch, heute noch geht es mir gut. Morgen ist der Termin, bitte Chef so lass doch eine Sitzung anberaumen oder Überstunden, oder egal was, ich mache alles, sofern ich nicht zum Zahnarzt muss.

Kennen Sie das auch? Ich kenne es nur zu gut. Und dieses zu gut, heißt, dass ich seit der Kindheit unter der klassischen Zahnarztphobie litt. Leiden, ach was – ich sterbe zumeist vorher 1000 Tode. Und diese Tode bringen mir so ganz plötzlich die Erkältung, lässt meinen Magen-Darm-Trakt verwirren, so dass ich ständig auf die Toilette muss – und dann geht ein Sitzen auf dem bekannten nach hinten schwingenden Stuhl so gar nicht…

Die Zahnarztphobie gibt es tatsächlich und kann als krankhafte Angst vor einem Zahnarzt betitelt werden. Der Ausmaß dieser Angst ist so groß, dass regelmäßige Zahnarztbesuche vermieden werden. Zumeist werden im Gesamten die Besuche vermieden. Lieber werden die Zahnschäden und die Schmerzen in Kauf genommen, als sich dem Ausgeliefertsein auf dem Stuhl hinzugeben. Ein Teufelskreis entsteht. Die Zahnschäden nehmen zu, die Schmerzen verstärken sich und die Angst bleibt. Solch eine Phobie kann durch schlechte Erfahrungen bei sich selbst und dem Besuch der Praxis oder dem Hören von Schauergeschichten über den Zahnarztbesuch entstehen. Und Schauergeschichten gibt es ja mehr als genug.

Inzwischen ist dieses Syndrom bei den Zahnärzten sowie den Krankenkassen bekannt und auch anerkannt. Das heißt, erhalte ich von einem Neurologen darüber eine Bestätigung, so kann mir meine Krankenkasse auf einen formlosen Antrag meinerseits, die Kosten für eine Vollnarkose übernehmen. Der Zahnarzt schreibt ebenfalls auf dem Antrag seinerseits diese Diagnose, fügt das Gutachten vom Neurologen bei und sendet dieses an die Kasse.

Eine Zahnarztphobie ist behandelbar!

Wie kann nun diese Phobie behandelt werden?

Der erste Schritt ist sich einen Therapeuten oder Arzt zu suchen, welcher auf diesem Gebiet spezialisiert oder zumindest Erfahrungen mitbringt. Häufig sind dieses Verhaltenstherapeuten, da diese Angst auf ein Fehlverhalten im Denken und Handel herrührt. So kann der Therapeut, ähnlich wie bei der Behandlung einer Spinnenphobie, durch Gespräche und das Einüben „den Weg zur Praxis“ in ein paar wenigen oder auch manchmal mehr Stunden die Angst beim Patienten so weit in den Griff bekommen, dass dieser zumindest den Weg in die Zahnarztpraxis findet und diesen geht. Das heißt, soweit geht, dass er nicht unterwegs oder in der Praxis umdreht und die Flucht antritt. Diese Methode nennt sich Angstmanagementtraining und stellt eine Verknüpfung von kognitiver Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken dar.

Hypnosesitzung, Vollnarkose und Mehr

Eine weitere mögliche Behandlung sind Hypnosesitzungen bei ausgebildeten Therapeuten oder auch beim Zahnarzt selbst, sofern die Genehmigung vorliegt. Die Anzahl der Angebote dieser Methoden bei den Zahnärzten wächst zunehmend.

Zahnärzte bieten auch, wie bereits erwähnt, die Möglichkeit zur Vollnarkose an. Das heißt, die Behandlung findet unter Narkose statt, der Patient schläft und nach dem Aufwachen ist es vorbei. Oftmals ist es dieser Gedanke, welchen den zu Behandelnden beruhigt oder im voraus beruhigen kann.

Sehr gerne werden auch Psychopharmaka, welche die Angst nehmen sollen eingesetzt. Das sind zumeist die Benzodiazepine, wie Lorazepam, Diazepam oder auch Tavor. Vorsicht ist geboten, da alle Arten der Benzodiazepine schnell zu einer Abhängigkeit führen können. Die Wirkstoffe in diesen Arzneimittel wirken angstlösend und beruhigend.

Umfragen und Untersuchen haben ergeben, dass nicht-medikamentöse Behandlungen schneller zum Eindämmen der Angst führt, als die pharmakologische Therapie.

Therapien mit dem Lernen von Entspannungstechniken, autogenes Training, dem Bewusstmachung der Angst, darüber sprechen und sich mit der Phobie auseinandersetzen, sind Ansätze, welche durchaus erfolgreich sein können und sind.

Nicht jede Therapie ist für jeden geeignet. So sollte die visuelle Kraft bei der Hypnose stark ausgeprägt sein. Ein Vorstellen von Bildern, ohne Ängste muss gegeben sein. Psychische Erkrankungen sowie mangelnde Konzentrationsfähigkeit sprechen eher gegen diese Art der Therapie. Krankenkasse übernehmen zum Teil die Kosten. Allerdings ist die Kostenübernahme von Krankenkasse zu Krankenkasse verschieden und sollte individuell bei der eigenen Kasse nachgefragt werden.

Für die Gesprächs- oder Verhaltenstherapie (Angstmanagementtraining) muss die Bereitschaft zum Reden, zum darüber Reden mitgebracht werden. Sonst wird über alles mögliche geredet, aber eben nicht über diese Art der Angst. Eine Evaluierung der Vergangenheit, deren Umgang und praktische Üben von neuem Denken und Handeln, ist Inhalt dieser Form der Behandlung. Meistens sind dafür wenige Stunden ausreichend.

Oftmals wird das Angstmanagementtraining zusätzlich mit den bereits genannten Entspannungstechniken, wie die progressive Muskelentspannung oder autogenes Training verknüpft. Auch hier übernehmen die Krankenkassen auf Antrag die Kosten.

Ziel und Sinn zur Anwendung einer Therapie, um die Zahnarztphobie in den Griff zu bekommen, lässt sich mit kurzen Worten ganz einfach erklären.

Ständige Zahnschmerzen, die Zerstörung der Zähne ohne Behandlung und das eventuell aufkommende leichte schlechte Gewissen gegenüber seiner eigenen Gesundheit, sind in meinen Augen ausreichende Gründe, um dieses Problem in den Griff zu bekommen sollte.

Entzündete Zähne können auf Dauer weitere gesundheitliche Einschränkungen mit sich bringen. So ist bekannt, dass kaputte Zähne Rheuma oder auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen können.

Weiterhin geht der Bonus für eine eventuelle benötigte Zuzahlung von Seiten der Kassen sozusagen „flöten“. Und das ist bares Geld.

Ich selber litt, soweit ich mich erinnern kann, seit der Kindheit an dieser Phobie. Mehrmalige schlechte Erfahrungen beim Zahnarzt sowie Kieferorthopäden prägten sich bei mir ein. Diese Prägung war so stark, dass ich den Begriff Zahnarzt aus meinem Vokabular und dem Gedächtnis strich. Aufkommende Schmerzen wurden verdrängt. Irgendwann hörten sie wieder auf. „Konnte also nicht so schlimm gewesen sein““Vermutlich nur eine Irritation meiner Zähne“.

Wurden die Schmerzen so schlimm, dass nichts mehr anderes ging, außer dem Hinquälen zum besagten Stuhl, stand ich in der Praxis und bin des öfteren einfach wieder umgekehrt. Der Geruch machte mir Angst. Ich wurde phobisch, die Hitzewallungen waren für mich nicht mehr in den Griff zu bekommen, ein plötzlich starker Schnupfen setze ein und wie aus einem Mechanismus heraus ging ich aus der Praxis. Die Nachrufe der Angestellten erreichten mich nicht mehr.

Die phobischen Anzeichen habe ich über eine kognitive Verhaltenstherapie in fünf Stunden in den Griff bekommen. Nun ist es keine Phobie mehr, sondern die natürliche Angst oder das Unwohlsein vor dem Termin. Und damit kann ich leben.

Inzwischen und dank der Hilfe meines Mannes, einem tollen Zahnarzt, einer wunderschönen modernen Praxis, meinem iPod oder Fernseher beim Arzt, nehme ich meine Termine und Vorsorge wahr. Es wird nie die große Liebe entstehen, aber ein beruhigtes Gewissen und so hoffe ich, gesunde Zähne.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 1. Januar 2013 von in Psychologie und getaggt mit , , .
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