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Handwerkskammer Hamburg holt Azubis aus dem Ausland

Handwerk auf Messe

Handwerk auf Messe

Hamburgs Handwerkskammer will Auszubildende aus Spanien und Griechenland holen. Zum offiziellen Start des neuen Lehrjahres zum 1. August sind noch 390 freie Lehrstellen gemeldet. Eine große Lücke besteht in der Besetzung im Verkauf sowie Elektroniker. Dem gegenüber stehen rund 3400 gemeldete Ausbildungsplatzsuchende bei der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern Hamburgs. Die Arbeitgeber jammern über die geringe Bewerberquote und suchen nun Rat und Hilfe durch spanische und griechische junge Menschen. Unterstützung wollen sie durch die Agentur für Arbeit und der Bundesregierung. Die Agentur für Arbeit in Hamburg sieht sich jedoch nicht dafür zuständig und verweist stattdessen an die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) in Bonn. Diese klären bereits die Bereitschaft der Jugendlichen aus den südeuropäischen Ländern und deren Unterstützung.

3400 Hamburger stehen 390 Lehrstellen gegenüber

3400 junge Menschen aus Hamburg, die ausbildungsplatzsuchend gemeldet sind, stehen 390 freien Lehrstellen gegenüber. Die Klagewelle der Arbeitgeber ist groß. Räsonieren sie sich doch, dass es keine geeigneten Bewerber in Hamburg gibt. Die Erfahrungen im Jobcenter zeigen jedoch ein anderes Bild. So schickt die Berufsberatung der Agentur für Arbeit junge Menschen mit einem nicht vorbildlichen Lebenslauf, befriedigenden, ausreichenden Noten der Hauptschule oder einer bereits abgebrochenen Lehre wieder nach Hause. Aus vorbei – keine weiteren Beratungen. Besprechen sie Weiteres mit ihrem Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit oder Jobcenter.

Die Berufsberatung besitzt Vermittlungshoheit

In Hamburg hat die Berufsberatung das alleinstehende Merkmal der Vermittlung in die sogenannte Einstiegsqualifizierung oder in Ausbildung. Die Jugendlichen melden sich mit ihrem Lebenslauf und den letzten Schulzeugnissen eben dort und hoffen auf eine kompetente Beratung. Oftmals ist eine Vermittlung in eine Ausbildung nur über die Einstiegsqualifizierung möglich. Hier haben diese jungen Menschen die Chance sich über ein bezahltes Praktikum als zukünftige Lehrlinge zu beweisen. Bei Übernahme in ein Lehrverhältnis wird das Praktikum auf die Lehrzeit angerechnet und diese verkürzt sich dementsprechend. Hamburg hat motivierte Jugendliche. Und diese sind so lange motiviert, bis die 70. Absage kommt. Ein Nachfragen bei potenziellen Arbeitgebern meiner Person ergab die mehrheitliche Antwort, dass Hauptschüler mit den Noten drei und vier in den Hauptfächern nicht genommen werden. Ein Nachfragen ergab aber auch, dass zum Teil für Verkaufsstellen inzwischen der Realschulabschluss gefordert wird. Ebenso bei Ausbildungen im Lager, Automobilbranche oder Reinigung. Die jungen Menschen erhalten mehrheitlich nicht mal die Chance für ein Praktikum, ein Gespräch und somit keine Möglichkeit, sich zu beweisen.

Keine Deutschkenntnisse vs. befriedigende Kenntnisse

Nun werden also junge motivierte Lehrlinge aus Spanien und Griechenland geholt. Junge Menschen mit geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen. Sicherlich ist es rührend, so unseren Nachbarländern unter die Arme zu greifen. Aber ist es auch rührend, bezogen auf die mangelnden Deutschkenntnisse der Südeuropäer, die befriedigenden Deutschkenntnisse der Hamburger Jugendlichen ins Abseits zu stellen und ihnen weder durch die Berufsberatung noch durch die Arbeitgeber vor Ort sich als gute Praktiker zu beweisen? Mögen vielleicht auch nur 50 Prozent der gemeldeten Jugendlichen hoch motiviert sein, stehen noch immer rund 1700 unversorgte Bewerber 390 Lehrstellen gegenüber. Und diese sollten doch besetzt werden können. Vielleicht ist ein noch stärkeres Umdenken der Arbeitgeber nötig, um so dem demografischen Wandel von zukünftigen Fachkräften entgegenzuwirken. Vielleicht ist auch das System der Berufsberatung zu überdenken. Kann es sein, dass Kunden nach einem einmaligen Gespräch wieder in der Berufsberatung abgemeldet werden? Und somit der Einstieg in ein qualifiziertes Praktikum verwehrt wird.

Nee, Hamburg, so wird das nichts mit zukünftigen Fachkräften in den Unternehmen.

Quellen: Handwerkskammer Hamburg; Bundesagentur für Arbeit 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 1. Januar 2013 von in Ausbildung und getaggt mit , , .
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