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Was ist ein posttraumatisches Belastungssyndrom?

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Das posttraumatische Belastungssyndrom PTBS – durch äußere Gewalt

Wodurch zeichnet sich das posttraumatische Belastungssyndrom aus? Wandelt sich jedes Trauma zu einem PTBS?

Das Trauma als Definition

Das Wort Trauma stammt ursprünglich aus dem griechischen und bedeutet: „Verletzung, Wunde“. Es gibt mehrere Definitionen von Trauma, welche aus ganz unterschiedlichen Situationen entstehen können. So zum Beispiel aus einem Unfall, einer Naturkatastrophe, dem sexuellen Missbrauch, Gewalt.

Das Trauma beinhaltet zumeist einen seelischen Schock oder eine starke seelische Erschütterung. Es ist ein einschneidendes, schreckliches Erlebnis, welches außerhalb des gewöhnlich menschlichen Erfahrungsbereichs liegt. Dieses Erlebnis übersteigt bei weitem das Ausmaß und die Intensität gewöhnlicher Alltagsbelastung.

Das posttraumatische Belastungssyndrom als Definition

Das posttraumatische Belastungssyndrom (PTBS) wird dann zu dieser Definition, wenn die Symptome länger als 4 Wochen nach dem traumatischem Erleben anhalten. Sind sie kürzer als 3 Monate, so spricht man von einer akuten PTBS. Dauern sie jedoch länger als 3 Monate hat sich eine chronische PTBD entwickelt. Psychotherapeutische Hilfe ist dann angeraten und notwendig.

Bei ca. 1/3, der durch ein Trauma belastenden Betroffenen, gelingt die Bewältigung und Verarbeitung des traumatischen Erleben nicht. Es stellt sich keine Beruhigung und Erholung ein.

Traumaereignis

  •  Die Betroffenen stehen dem Ereignis hilflos gegenüber
  •   es ist keine Flucht möglich
  •   sie können sich nicht wehren
  •   haben keinen wirklichen Einfluss auf die Situation
  •   niemand kommt ihnen zu Hilfe
  •   häufig besteht körperliche Gefahr oder Lebensgefahr bei sich selbst und / oder bei anderenHauptmerkmale einer   posttraumatischen Belastungsstörung
  •  Übereregbarkeit: d.h. erhöhte Wachsamkeit, Reizbarkeit, Wutausbrüche, Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und ein sogenannter „Dauererregungszustand“
  •  Vermeidungsverhalten: sozialer Rückzug, emotionale Betäubung ( es wird allem aus dem Weg gegangen, was an das Trauma erinnern könnte)
  •  Intrusionen: wiederkehrende Vorstellungen und Gefühle bezogen auf das Trauma. Diesen Bildern, Gerüchen, Geschmäcker kann nicht aus dem Weg gegangen werden (sog. Flashbacks), Alpträume
  •  Gefühle und Gedanken der Hoffnungslosigkeit
  •  Entwicklung einer latenten oder und akuten DepressionFolgestörungen bei komplexen Traumata

Besteht ein Trauma schon eine längere Zeit oder auch bei wiederholten Traumata, welche durch menschliche Gewalt verursacht wurden, können neben posttraumatischen Belastungssymptome noch andere psychische Auffälligkeiten, körperliche Symptome und / oder Persönlichkeitsveränderungen entstehen.

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • körperliche Symptome und Krankheiten
  • Selbstverletzungen
  • Missbrauch von Drogen wie Alkohol, Drogen und Medikamenten
  • Dissoziationen, d.h. der traumatisierte Mensch zerlegt die traumatische Wahrnehmung in verschiedene Bestandteile wie Gefühle und / oder Körperempfinden. Diese Teile werden dann in belastenden Situationen vorübergehend abgespalten, damit sie ausgehalten werden
  • Persönlichkeitsveränderungen wie Selbstablehnung oder Hass, Schuld- und Schamgefühle, Ablehnung des eigenen Körpers, Misstrauen gegenüber anderen MenschenHier ist dringend psychotherapeutische Hilfe angeraten.Hilfe durch eine Traumatherapie

Nach den oben genannten Symptomen und begleitende Erscheinungen besteht dringender Handlungsbedarf, um diesen Betroffenen zu helfen, damit aus ihrer „Traumaspirale“ entweichen können. Nun gibt es die bekannten Gesprächs- und Verhaltenstherapien, tiefenpsychologische Hilfe, Hypnose und vieles andere, um diesen Menschen zu helfen.

Können Traumatherapien helfen?

Seit einigen Jahren ist jedoch erneut die Diskussion um eine spezielle Traumatherapie entstanden. Lautete der frühere Grundsatz, dass man diesen Menschen nicht an ihr Erlebnis erinnern darf, so lautet der heutige Grundsatz, dass eine spezielle Therapie anzuwenden ist.

Dazu zählen die EMDR, Somatic Experiencing, das imaginative Verfahren und verhaltenstherapeutische Ansätze.

Ich werde hier jetzt nicht auf die einzelnen Verfahren näher eingehen, sondern die Phasen in der Traumatherapie erläutern, da diese sich bei all den genannten Hilfen kaum unterscheiden.

In der Traumatherapie werden zumeist die verschiedenen Verfahren und Techniken aus allen Richtungen angewandt und miteinander kombiniert.

I. Phase der Traumatherapie

I. Phase von III Phasen

Die erste Phase lautet immer Stabilisierung. Es ist die zentrale Phase in der Traumatherapie und sollte aus dem Grund genügend zeitlichen Raum erhalten. Oftmals ist es so, dass für einen Großteil der Patienten diese Phase so hilfreich ist, dass auf eine Traumakonfrontation zumeist verzichtet werden kann.

Dieses beinhaltet zunächst eine gute und tragfähige sichere Beziehung zwischen Therapeut/in und Patient/in. Der Alltag des Patienten muss stabil sein und eine Sicherheit gewähren. Ein Täterkontakt oder eine Beziehung zu anderen Gewalttätern muss beendet sein.

Anschließend sollten zuvor die Selbstfürsorge (achtsam mit sich selbst) und Selbsttrost aufgebaut sein. Dazu sollten sichere Skills wie positive Innenbilder mit Imaginatioinsübungen (z.B. „der sichere Ort“, „der Tresor“), Meditationsübungen, Achtsamkeit gekannt und eingeübt sein. Zumeist wird ein „Notfallkoffer“ erstellt, welcher persönliche Skills beinhaltet. Dieses können sein zur Ablenkung Kreuzworträtsel, Gummibänder, scharf riechende Dinge, Kaugummi, Bilder, persönliche Notizen, wichtige Telefonnummern und vieles mehr. Der Patient „richtet“ sich diesen Koffer zuvor mit dem Therapeuten her, um ihn im Notfall parat zu haben. Die eingesetzten Skills vom Notfallkoffer sollen stark schnell ansteigende Anspannung reduzieren, um ein „Gefühlschaos“ des Patienten zu vermeiden.

Weiterhin beinhaltet die Stabilisierung die Stärkung von Kontrolle und Selbstmanagementfähigkeit unter Anwendung von verschiedenen Selbsthilfestrategien (Methoden zum Dissoziationsstopp, Möglichkeiten zum Umgang mit Flashbacks).

Danach erfolgt die Stärkung und Aufbau vorhandener und neuer Ressourcen – innere sowie äußere.

II. Phase – Traumkonfrontation

Dieses ist die Phase der Aufdeckung und Bearbeitung der traumatischen Erinnerungen / Erfahrungen. Hier werden nun die bereits erwähnten Techniken wie EMDR (Verarbeitung durch schnelle Augenbewegung) und anderen imaginativen Techniken (Bildschirmtechnik) sowie die Traumasynthese (Gedanken, Gefühle, Körpererleben, Bilder) angewendet.

Wichtig hierbei ist, das durch den Patienten negative Gefühle ausgehalten und kontrolliert werden können.

III. Phase – Integration und Neuorientierung

Das Trauma wird nun in die Vergangenheit abgelegt, die Gefühle wie Scham und Schuld sind bearbeitet, neue Denk- und Verhaltensmuster sind erarbeitet und die Integration des Erlebten im Alltag ist möglich. Es besteht eine positive Zukunftsorientierung.

Die Phase III wird in der Regel parallel im gesamten Therapieverlauf eingeübt und zu Hause erprobt, sofern die Stabilisierung vorhanden ist und der Täterkontakt nicht besteht.

Eine Traumatherapie verläuft in mehreren Phasen über Wochen oder Monate, wenn nicht gar noch länger. Vom zeitlichem Ablauf ist die Stabilisierungsphase abhängig. Je nachdem, wie lange sie währt, kann anschließend die zweite Phase beginnen.

Das Einsetzen von Medikamenten

Neben der Therapie werden begleitend oftmals Psychopharmaka  wie Antidepressiva, Neuroleptika oder Benzodiazepine eingesetzt. Sie heilen nicht, können jedoch die Symptome lindern. Vor allem bei komplexen Traumata ist durch eine unterstützende psychopharmakologische Behandlung eine heilende Psychotherapie oft erst möglich.

Bei leichteren Traumatisierungen ist eine begleitende Medikamententherapie nicht unbedingt erforderlich.

Zu beachten ist jedoch die besonders schnell entstehende Abhängigkeit durch Benzodiazepine. Sie lindern zwar die Ängste und wirken beruhigend, entspannend und dämpfend – jedoch können so die wahren Gefühle nicht wahrgenommen werden.

Weitere Hilfen sind Achtsamkeitsübungen. Sich wahrnehmen, konzentrieren, störende Gedanken und Gefühle zur Seite schieben, beschreiben und tägliche Anwendung.

Urheberrecht: Inge Hannemann; Quelle: dgvt;

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 1. Januar 2013 von in Psychologie und getaggt mit , , , , .
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