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Was sind Persönlichkeitsstörungen?

Kompakt – Persönlichkeitsstörungen
Persönlichkeitsstörungen sind ein Oberbegriff von einzelnen Störungen, welche einzeln oder mit anderen Erkrankungen auftreten können.

Von einer Persönlichkeitsstörung wird nach den Klassifikationssystemen DSM-IV und ICD-10 gesprochen, wenn bei einer Person bestimmte Verhaltens-, Gefühls- und Denkmuster vorhanden sind, die stark von den Erwartungen der Umgebung abweichen.

Die eigenen Persönlichkeitszüge sind sozusagen überdauernd vorhanden. Sie sind unflexibel und wenig angepasst. Dadurch können sie zu Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen Bereichen führen. Soziale Beeinträchtigungen können sich in Beziehungsunfähigkeit und Isolation ausdrücken. Auch kann die Balance zwischen Nähe und Autonomie gestört sein.

Um eine allgemeine Diagnose feststellen zu können, ist eine genauere Festlegung, anhand der spezifischen Subtypen von Persönlichkeitsstörungen, nach den Merkmalen der Klassifikationssysteme nötig. Allgemeine Kriterien nach ICD-10 sind:

Kognition (d.h. die Wahrnehmung und Interpretation von Dingen, Menschen und Ereignissen sowie die Einstellungen und Vorstellungen von sich und anderen)
Impulskontrolle und Bedürfnisbefriedigung
Affektivität (Intensität und Angemessenheit der emotionalen Ansprechbarkeit und Reaktion)
Umgang mit anderen und die Handhabung zwischenmenschlicher Beziehungen
Persönlichkeitsstörungen in der Allgemeinbevölkerung liegen nach einer Studie von W.Maier (Prevalences of personality disorders) bei 9,4% in Deutschland. Bei den psychiatrisch erkrankten Menschen liegt die Zahl deutlich höher. So ergab eine groß angelegte Studie der WHO eine Verteilung von 39,5%.

Zu den Persönlichkeitsstörungen zählen unter anderem die

  • Paranoide
  • Schizoide
  • Schizotypische

Persönlichkeitsstörungen. Sie zeichnen sich durch hohes Misstrauen und einer nach außen hin gezeigten Gefühlskälte bei den Menschen aus. Bei vermeintlichen Kränkungen und Bedrohungen kann die Stimmung schnell in Wut umschlagen. Zumeist leben sie isoliert und haben wenige zwischenmenschliche Beziehungen.

Paranoide Persönlichkeitsstörungen neigen zur übertriebenen Empfindlichkeit bei Rückschlägen und Zurücksetzung. Sie bringen die Neigung zum dauerhaften Groll mit. Verletzungen, Beleidigungen oder Missachtungen werden nicht vergeben. Misstrauen und eine anhaltende Tendenz, Erlebtes zu verdrehen, indem neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindlich oder verächtlich missdeutet werden, sind ebenso häufig anzutreffen. Das streitsüchtige, beharrliche und situationsunangemessene Verhalten und das Bestehen auf das eigene Recht, prägen zusätzlich.

Schizoide Persönlichkeitsstörungen zeichnen sich durch emotionale Kühle, Distanziertheit und abgeflachte Affektivität aus. Nur wenige Tätigkeiten bereiten Ihnen Freude. Die Fähigkeit warme und zärtliche Gefühle für andere ist reduziert. Ebenso das Ausdrücken von Ärger. Es werden Aktivitäten bevorzugt, welche alleine durchgeführt werden können.

Schizotypische Persönlichkeitsstörungen weisen ein großes Defizit an sozialen und zwischenmenschlichen Beziehungen auf. Wahrnehmungserfahrungen sind ungewöhnlich und beziehen sich auch auf die körperbezogenen Illusionen. Die Denk- und Sprechweisen sind vage, umständlich, metaphorisch, übergenau oder stereotypisch. Die Verhaltensweisen oder äußere Erscheinungen sind seltsam, exzentrisch und können für Außenstehende merkwürdig erscheinen.

Weiterhin kann in

  • Antisoziale
  • Borderline
  • Histrionische
  • Narzisstische

Persönlichkeitsstörung unterschieden werden. Personen mit diesen Störungen zeigen oft ein emotionales, dramatisches oder launisches Verhalten. Impulsivität, starke Wut und die Unfähigkeit diese zu kontrollieren sind oftmals kennzeichnend. Das Verhalten in Beziehungen ist geprägt von einer Tendenz zur Idealisierung bis zur Entwertung eines Menschen. Schwierigkeiten im Umgang mit Nähe und Distanz können hinzukommen. Oftmals sind selbstschädigende und suizidale Verhaltensweisen bei der Borderline und histrionischen Persönlichkeitsstörung nichts ungewöhnliches. Fremdaggressivität kommt bei der narzisstischen und der antisozialen Störung vor.
Bei allen diesen Persönlichkeitsstörungen liegt ein wenig ausgeprägtes Selbstwertgefühl zugrunde. So können bei berechtigter und unberechtigter Kritik Gefühle wie Wut, Scham oder Demütigung aufkommen.

Antisoziale Persönlichkeitsstörungen treten zumeist schon in der Kindheit oder Jugend auf. Allerdings ist zu beachten, dass eine Diagnose vor dem 14. Lebensjahr keine eindeutigen Hinweise ergeben können. So kann gesagt werden, dass eine Störung des Sozialverhaltens bereits vor Vollendung des 15. Lebensjahres erkennbar sein muss. Falschheit, welche sich in wiederholtem Lügen oder dem Gebrauch von Decknamen kennzeichnet, sind ebenso charakteristisch wie das Betrügen zum persönlichen Vorteil oder Vergnügen. Reue kann oftmals nicht gezeigt werde. Sie äußert sich in Gleichgültigkeit oder Rationalisierung.

„Borderliner“ zeigen ein tiefgründiges Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie im Selbstbild und in den Affekten von deutlicher Impulsivität. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandrohungen- oder Deutungen und selbstverletzendes Verhalten kommen häufig vor. Instabile Gefühlsregulationen, welche sich in starker Wut oder in Schwierigkeiten diese zu kontrollieren, können so zwischenmenschliche Beziehungen äußerst schwierig gestalten. Das begleitende und chronische Gefühl der Leere kommt hinzu.

Die histrionische Persönlichkeitsstörung unterscheidet sich zur narzisstischen dahingehend, dass diese zur dramatischen Selbstdarstellung und theatralischem Auftreten oder den übertriebenen Ausdruck von Gefühlen neigt. Der Narzisst stellt sich in diesem Sinne nicht so da; erwartet jedoch von außen eine übermäßige Bewunderung. Er ist der Überzeugung „besonders“ und einmalig zu sein. Sie neigen zur Übertreibung ihrer Leistungen und Talenten. Der Mangel an Empathie, Gefühle und Bedürfnisse anderer, können schwer anerkannt werden und noch weniger sich mit diesen identifizieren. Im Gegensatz zur histrionischen Persönlichkeit, welche leicht beeinflussbar durch andere oder Ereignisse ist.
Beide Störungen zeigen eine übermäßige Beschäftigung damit, äußerlich attraktiv zu erscheinen. Sie sind auf der ständigen Suche nach aufregenden Erlebnissen und Aktivitäten, in denen sie im Mittelpunkt stehen.

Zur letzten Gruppe gehören die

  • Vermeidend-selbstunsichere
  • Dependente
  • Zwanghafte

Persönlichkeitsstörungen. Diese Menschen beschreiben sich als ängstlich und furchtsam. Eine hohe Anspannung und ständige Besorgnis mit Gefühlen von Hilflosigkeit und Abhängigkeit prägen die zentralen Gefühle. Kritik und Ablehnung macht sie verletzbar. Oftmals leiden sie unter massiven Trennungsängsten. Bei einer stark ausgeprägten Gewissenhaftigkeit sind sie wenig flexibel und tendieren zu passiver Aggressivität.
Auf weitere Störungen möchte ich hier nicht eingehen, da diese Arten der Persönlichkeitsstörungen durchaus vorhanden sind, jedoch in der Epidemiologie und Prävalenz weniger auftreten.

Bei allen genannten Störungen müssen nach beiden Klassifikationssystemen mehrere Merkmale in einem bestimmten Zeitraum entweder ununterbrochen oder wiederholt gezeigt auftreten.

Alle genannten Störungen können als isolierte und einzelne Störungen auftreten. Oftmals werden sie jedoch zusammen mit anderen psychischen Störungen oder körperlichen Erkrankungen beobachtet. So suchen häufig Patienten mit Persönlichkeitsstörungen erst einen Arzt auf, wenn andere Erkrankungen hervortreten. Dieses können zum Beispiel depressive Störungen oder Angststörungen sein.

Die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen erfolgt zumeist in Psychotherapie als auch pharmakologisch, um bestehende Ängste zu verringern. Berücksichtigt werden muss jedoch die Art der Störung, die Vergangenheit des Patienten und das Ansprechen auf verschiedene Arten von Therapien. Ein Testen und eventueller Wechsel der Therapiearten kann sinnvoll sein. Neben der bekannten Gesprächstherapie bei den Persönlichkeitsstörungen ist die kognitive Verhaltenstherapie sehr erfolgreich.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 1. Januar 2013 von in Psychologie und getaggt mit , , , .
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