ingehannemann

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Rezension: Ziemlich beste Freunde

Ziemlich beste Freunde Cover

Ziemlich beste Freunde Cover

Lebenslust trifft auf Aristokratie

Paris als Tatort für ‚Gegensätze ziehen sich an‘: „Ziemlich beste Freunde“ ist das Ergebnis eines schön inszenierten und überaus berührenden Dramas, mit tragikomischen Untertönen einer Freundschaft aus zwei Welten. Es ist die Überraschungskomödie aus Frankreich des Regieduos Eric Toledano und Olivier Nakache.

Philipp (Francois Cluzet), ein reicher Aristokrat ist vom Hals ab gelähmt. Umgeben vom Hauspersonal und seiner pubertierenden Tochter, benötigt Philipp rund um die Uhr Pflege und Begleitung. Driss (Omar Sy), gerade aus der Haft entlassen, ist die Lösung. Eigentlich möchte Driss nur eine Bescheinigung für das Arbeitsamt erhalten, um Sozialgeld zu schmarotzen. Sein Vorstellungsgespräch bei Philipp verläuft entsprechend: Driss zeigt sich von seiner unverschämtesten Seite, baggert Philipps Sekretärin an und lässt nebenbei noch ein Fabergé-Ei mitgehen. Philippe ist beeindruckt und stellt Driss für einen Probemonat ein. Und hier beginnt die eigentliche Story. Driss weckt durch seine unglaublich lockere und doch auf der anderen Seite charmanten Art Philipp aus der Reserve. „Nimm dich in acht, solche Leute kennen kein Mitleid“, warnt ein Freund den Aristokraten Philipp. „Genau das ist es, ich brauche kein Mitleid“, kontert Philipp zurück.

Was dann passiert, ist so vorhersehbar, wie es sich nur ein Kinofilm erlauben darf. Herrlich konstruiert und doch auf einer wahren Begebenheit beruhend. Driss führt Philippe in das Rauchen von Joints, von Ohrenmassagen, bis alles steif wird, ein, und führt ihm die Lächerlichkeit seines elitären Umfeldes vor. Sei es in der Oper mit einem singenden Baum auf der Bühne, wo Driss in einen Lachanfall verfällt oder bei der Geburtstagsparty von Philippe. Hier schafft es Driss, die geladenen Gäste zum Tanzen nach Rock- und Popmusik zu bewegen.

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Auf der anderen Seite inspiriert Philippe Driss zur Kunst bis zur Erstellung eines eigenen Kunstwerks, welches für 11 000 Euro just an den Freund geht, welcher ihn vor Driss gewarnt hat.

Und das macht den Zauber der Komödie aus. Eine Geschichte, die Arm und Reich, Schwarz und Weiß, Banlieue (Plattenbau) und Palais versöhnt. Den Regisseuren ging es in diesem Film nicht um die Darstellung von Behinderten. Im Mittelpunkt steht die Freundschaft zweier Männer, die nicht unterschiedlicher sein können. Sie spielen mit Kontrasten und Klischees, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften. Er berührt durch die ständig gute Laune des Newcomers Omar Sy. Francois Cluzet („Kleine wahre Lügen“) sticht durch sein hervorragendes Mimikspiel hervor.

Aber auch die Nebenfiguren als Hausdamen Yvonne (Anne Ly) und Magalie (Audrey Fleurot) überzeugen durch eine gewisse Eleganz und gespielte Gleichgültigkeit gegenüber Driss. Die Charaktere werden stets menschlich dargestellt, ohne dass die Zuschauer in ein künstlich konstruiertes Mitleidkorsett gezwungen werden. Der Film bietet kaum Überraschungen und ist doch aufgrund der herzerfrischenden Charaktere sich selbst. Fast ist man dazu geneigt, Kitschiges zu suchen und zu finden. Aber das Hintergrundwissen, dass die Ereignisse auf einer wahren Begebenheit beruhen, lässt einen wieder in die Realität zurückkommen. Und diese zeigt sich spätestens im Abspann, wo der „echte“ Philipp Pozzo di Borgo und Driss als Freunde nebeneinander in Marokko gezeigt werden. Und so wundert es nicht, dass der Kinohit allein in Frankreich rund 20 Millionen Besucher anzog.

Regie: Olivier Nakache, Eric Toledano – Drehbuch: Olivier Nakache, Eric Toleano

Darsteller: Francois Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Mollet u.a.

Genre: Komödie / Drama

Frankreich, 2011, Kinostart 5. Januar 2012, DVD: ab 16. September 2012

Musik: Ludovico Einaudi

Laufzeit: ca. 110 Minuten

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Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. Januar 2013 von in Rezensionen und getaggt mit , .
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